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Nikes Kopfkino

Hier kommen alle Themen rein, die nichts mit Fernsehenserien zu tun haben.
nike_75
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Re: Nikes Kopfkino

Beitrag von nike_75 »

So, hier kommt der erste Versuch.

Ich wollte gern eine Szene mit Ava nach dem Abendessen mit Chiara in Folge 4212/4213. Es ist eine meiner Lieblingsszenen und ich finde, die Tatsache, dass sich Ava an diesem Abend in Chiara verliebt hat und dann die Nacht über an ihrem Trainingsplan gearbeitet hat, rechtfertigt eine Lost Scene.
Ich hoffe, es wird nicht allzu holprig, ist eine Weile her, dass ich Fanfics geschrieben habe und die beiden sind auch noch so „frisch“ und gerade Ava kennen wir noch nicht so gut.

Expectations

Tief in Gedanken versunken betrat Ava die WG. Aus der offenen Küche drangen die Stimmen von Hanna und Leyla an ihr Ohr und sie blickte auf. Leyla saß auf dem Küchentresen und redete wie immer ohne Punkt und Komma während Hanna das Geschirr spülte. Ava hörte nur etwas von „Deutsche Meisterin“ und „Korea“ und schüttelte lächelnd den Kopf. Sie legte ihre Jacke und ihre Tasche an die Garderobe und ging zu ihren beiden Mitbewohnern hinüber.

„Na, Leyla, was macht das Bauchweh?“

Leyla verschluckte sich an dem Wasser, was sie gerade im Begriff war zu trinken und hustete leicht. „Oh, das ist weg, Hanna hat mir einen super Kamillentee gemacht und mir geht’s schon viel besser.“ Sie lächelte Ava etwas verlegen an, die mit einem Blick auf die sichtlich überraschte Hanna sofort die Lüge durchschaute. Aber sie hatte keine Lust, Leyla deswegen zu konfrontieren. Die junge Läuferin sprang vom Tresen mit den Worten „Aaaaber ich geh jetzt schlafen, will ja schließlich fit sein für das morgige Training.“ und verschwand schnellen Fußes in ihrem Zimmer.

Hanna sah Ava mit hochgezogener Augenbraue an. „Bauchweh?“. Ava zuckte mit den Schultern und antwortete leicht spöttisch „War wohl eher die ‚ich-hab-keinen-Bock-auf-einen-Abend-mit-Chiara‘-Magen-Geschichte.“

„Ah, die Eisdiva. Hast du ihr klar gemacht, wer der Boss ist?“ Ava stützte sich auf und setzte sich auf den Tresen, wo vor wenigen Minuten noch Leyla gesessen hatte.

„Darum ging es gar nicht. Ich wollte sie einfach nur ein bisschen besser kennenlernen.“ Sie senkte den Kopf und musste unwillkürlich lächeln als sie an das Treffen mit Chiara dachte.

„Und? Wie ist Frau Eisdiva so? Nach dem, was Leyla immer so erzählt, kann ich mir nicht vorstellen, dass ihr viel gemeinsam habt.“ Hanna beendete das Spülen und drehte sich mit dem Rücken zu Ava, um sich die Hände abzutrocknen. Sie sah nicht, dass Ava bei ihren Worten die Stirn runzelte und den Mund schon öffnete, um ihr etwas zu entgegnen. „Ich wüsste ja nicht, was ich mit ihr den ganzen Abend reden sollte.“ Sie drehte sich zurück und sah das versonnene Lächeln auf Avas Gesicht. Fragend schaute sie sie an.

Ava zuckte mit den Schultern und sagte einfach „Chiara liebt das Eis. Ich liebe das Eis. Es war ein guter Abend.“ Ihre Mitbewohnerin sah sie etwas skeptisch an. „Okay, wenn du das sagst.“ Sie schwiegen eine Weile bis sich Hannah ein Gähnen nicht unterdrücken konnte. „Ich glaub, ich geh auch schlafen. Was ist mit dir?“ Ava schüttelte den Kopf. Sie wusste, dass sie sowieso nicht einschlafen würde können. „Nee, ich überarbeite noch mal die Trainingspläne. Die sind noch nicht optimal.“

„Okay, Miss Workalohic, dann lass ich dich allein. Gute Nacht.“

„Gute Nacht, Hanna“, anwortete Ava.

Als auch Hanna in ihrem Zimmer verschwunden war, nahm sich Ava ein Glas und die Flasche Wasser, die Leyla angebrochen hatte und setzte sich auf das Sofa. Sie stützte ihren Kopf auf eine Hand und löste mit der anderen den Pferdeschwanz, der ihre blonden Haar zusammenhielt. Der Abend mit Chiara war nicht so verlaufen, wie sie erwartet hatte. Die junge Frau hatte sie überrascht.

Ava schüttelte den Kopf, nahm das Tablet, das auf dem Tisch lag und öffnete die Datei, die da lautete „Trainingsplan Chiara“. Sie überflog die Anordnung der Cardio- und Krafteinheiten. Eigentlich passte das alles. Es war ein ausgewogenes Programm und sie war sich sicher, dass es Chiara helfen würde, schnell wieder die Fitness aufzubauen, die ihr nach ihrer Auszeit noch fehlen musste. Aber irgendwas fehlte, Chiara brauchte mehr.

Sie schloss die Augen und sah sie vor sich. Es gab keinen Zweifel daran, dass Chiara eine schöne Frau war. Sie war ja nicht blind. Doch was Avas Herz zum Schnellerschlagen brachte, war nicht nur Chiaras attraktives Äußeres. Sie hatte an diesem Abend eine junge Frau kennengelernt, mit der sie nicht gerechnet hatte. Natürlich wusste Ava, wer Chiara Nadolny war, kannte ihre Perfomances, ihre Auftritte in der Öffentlichkeit, ihren Ruf als Diva. Aber nichts davon hatte sie wirklich auf Chiara vorbereitet. Auf diese junge Frau, die so ganz anders war als ihr öffentliches Bild. Die Ava Fragen gestellt hatte statt über sich selbst zu reden. Die zugehört hatte. Die sichtlich überrascht war, als Ava sie gefragt hatte, ob sie über ihre ‚Neuanfänge‘ sprechen wollte. Und die eine Verletzlichkeit ausgestrahlt hatte, die Ava in ihren Bann zog. Die Tatsache, dass die Berührung ihrer beiden Hände sie wie ein elektrischer Schlag getroffen hatte, kam noch dazu.

‚Oh Gott‘, dachte Ava, ‚worauf hab ich mich hier nur eingelassen.‘


Als Hanna am nächsten Morgen aus ihrem Zimmer kam, saß Ava bereits mit einer Tasse Kaffee und in den Klamotten vom Vorabend auf dem Sofa und tippte noch letzte Änderungen in ihr Tablet.

„Sag nicht, du hast die ganze Nacht gearbeitet?“

Ava blickte zufrieden lächelnd auf. „Doch, aber jetzt bin ich fertig. Ist die Dusche frei?“ Hanna nickte und Ava stand auf, streckte sich und legte das Tablet beiseite. Dann ging sie zum Badezimmer und Hanna sah ihr kopfschüttelnd hinterher.

The End.
nike_75
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Re: Nikes Kopfkino

Beitrag von nike_75 »

Lost Scene zu Folge 4223 - mir hat da eine Szene gefehlt, die erklärt, wie Ava zu ihrer Entscheidung kommt, das zwischen Chiara und ihr zu beenden bevor es richtig angefangen hat.

Haunted

Müde ließ Ava ihren Kopf gegen die Zimmertür von Leyla sinken. Es war ein Kraftakt gewesen, ihre halbschlafende junge Mitbewohnerin auf ihr Bett zu verfrachten. Und sie selbst war auch hundemüde, der Tag hatte Kraft gekostet. Ava ging ins Bad, um sich die Zähne zu putzen. Als sie fertig war, löste sie ihren Pferdeschwanz und ließ sich ihre Haare über die Schultern fallen. Beim Hinausgehen erwischte sie einen Blick in den Spiegel und blieb stehen. Ein leichtes Lächeln lag auf ihrem Gesicht, dessen sie sich überhaupt nicht bewusst gewesen war, und sie schloss die Augen. Sofort sah sie Chiaras schönes Gesicht vor sich, das weiche Lächeln, die strahlenden braunen Augen. Sie biss sich auf die Lippe als sie eine Welle der Erregung durchfuhr und atmete ein paar Mal tief durch bis sie nachließ. Dann löschte sie das Licht und ging in ihr Zimmer.

Schwaches Mondlicht tauchte das Zimmer in ein unwirkliches Licht während Ava sich umzog und hinlegte. Doch sobald sie die Augen schloss, war Chiara wieder da. Chiara, wie sie wütend davon gelaufen war; Chiara, wie sie lachend zugab, auch nicht verlieren zu können; Chiara, die sie ansah als ob sie nicht glauben könne, was Ava gerade gesagt hatte, als sie den dämlichen Spruch über das Pech in der Liebe losgelassen hatte. Und vor allem Chiara, wie sie in der Umkleidekabine vor ihr stand, nur mit einem Handtuch bekleidet, ein bisschen unsicher, betörend schön und viel zu nah. Ava legte ihren Arm über ihre Augen, doch die Bilder verschwanden nicht. Der erste Kuss war sanft gewesen, doch sie hatte sofort gespürt, dass sie dieses Mal nicht würde gehen können. Zu sehr hatte ihr Chiaras Nähe den ganzen Tag über zugesetzt. Am Ende war es ein Gefühl der Unvermeidlichkeit gewesen, als sie in einen zweiten, sehr viel leidenschaftlicheren Kuss versanken und gemeinsam Richtung Dusche taumelten. Und wow, was für eine Frau! Normalerweise fühlte sich Ava beim ersten Sex mit einer neuen Frau immer etwas unsicher, nicht genau wissend, was ihr Gegenüber wollte. Aber mit Chiara war es gewesen, als ob sie beide instinktiv wussten, wo und wie sie sich berühren mussten. Sie hatten komplett das Gefühl für die Zeit verloren und erst das Klingeln des Telefons hatte sie in die Realität zurückgebracht.

Deniz. Das Zentrum. Ihr Job.

Scheiße.

Ava riss die Augen auf.

'Was hab ich getan?'

Sie stand auf und fing an im Zimmer auf und ab zu laufen. Hatte Deniz etwas gemerkt? Hatten Chiara und sie sich irgendwie verraten? Hatte irgendwer gehört, wie Chiara sie gefragt hatte, ob sie nach Hause gehen möchte? Die Gedanken schwirrten in Avas Kopf und sie ließ die Szenen auf der Party noch einmal Revue passieren. Sie konnte sich nur daran erinnern, dass sie ihre Hand in ihre Hosentasche gesteckt hatte, um nicht der Versuchung zu verfallen, Chiara zu berühren. Hatte das irgendwer mitbekommen? Kurz nach Chiaras Frage war Leyla auf einmal aufgetaucht. Hatte sie etwas gehört? Und wenn ja, wusste sie, was sie da gehört hatte?

Ava blieb am Fenster stehen und lehnte ihren Kopf gegen die kühle Fensterscheibe.

Leyla.

Läuferin im Steinkamp-Kader.

Ihre Läuferin, für die sie verantwortlich war. Genauso wie sie für Chiara verantwortlich war.

Ihre Mitbewohnerin.

Scheiße.

Ihre Mitbewohnerin, die nur ein paar Türen weiter schlief.

Und die morgen früh am Tisch mit ihr frühstücken würde.

Die immer irgendwo in der Nähe sein würde.

"Möchtest du auch nach Hause gehen?" hatte Chiara gefragt und Ava fragte sich plötzlich, welches zu Hause sie gemeint hatte.

Die Villa mit der kompletten Familie Steinkamp ja wohl nicht. Ava presste ihre geballten Hände gegen ihre Augen und atmete tief aus. Das Loft also. Das Loft, in dem auch Leyla wohnte. Sie fühlte, wie ein Gefühl der Panik in ihr hochstieg bei der Vorstellung, das Leyla sie und Chiara in einer verfänglichen Situation erwischen könnte. Das durfte nie passieren.

Das zwischen ihnen musste aufhören. Sofort. Es hätte nie passieren dürfen.

Tränen stiegen ihr in die Augen aber sie wischte sie heftig weg. Sie musste es beenden. Gleich morgen. Bevor die Gefühle, die sie für Chiara hatte, noch tiefer würden. Eine leise Stimme in ihrem Kopf sagte ihr, dass es dafür schon längst zu spät war. Aber das durfte nicht sein. Sie musste beenden, was da zwischen ihnen war. Sie musste Chiara klarmachen, dass das in der Umkleide nie hätte passieren dürfen. Dass sie nur ihre Trainerin war, nicht mehr. Bei dem Gedanken, dass sie in der Umkleide jederzeit von jemandem überrascht hätten werden können, wurde ihr schwindlig. Sie hätte das niemals zulassen dürfen.

Sie musste sich auf ihren Job konzentrieren. Und ihr Job war es, die Mädels zu trainieren. Objektiv und mit einem klaren Blick für ihre Stärken und Schwächen. Das war das, was Deniz und die Steinkamps von ihr erwarteten. Und das würde sie liefern.

Das zwischen Chiara und ihr, das hätte einfach nie passieren dürfen. Irgendwie würde sie ihr beibringen, dass es so am besten war, dass sie nur das Beste für sie beide wollte. Und Chiara würde es akzeptieren. Es war ihre Entscheidung, allein ihre Entscheidung.


The End.
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Re: Nikes Kopfkino

Beitrag von nike_75 »

Lost Scene zwischen Ava und Deniz nach Folge 4228. Ava wirkte überrascht, dass es das Gespräch zwischen Chiara und Deniz gab, von dem sie nicht wusste.

Reasons

Müde schloss Ava ihren Laptop und lehnte sich in ihrem Stuhl zurück.

Was für ein Tag!

Ein leichtes Lächeln umspielte ihren Mund als sie an Chiara dachte. Den ganzen Tag über waren ihre Gedanke immer wieder zu ihr gegangen und sie hatte sich kaum konzentrieren können. Die letzte Nacht hatte alles verändert. Ava schüttelte den Kopf.

'Hör auf dich selbst zu belügen, Ava. Es hat sich schon vor Wochen geändert.'

Genauer gesagt: seit dem Abendessen in der No. 7 war nichts mehr wie vorher. Dort hatte sie das erste Mal einen Blick auf die Frau hinter der 'Eisdiva' bekommen und war fasziniert gewesen. Und an dieser Faszination hatte sich bis heute nicht geändert. Ganz im Gegenteil. Sie war komplett und vollkommen verliebt in Chiara.

Und trotzdem hatte die letzte Nacht etwas verändert in ihr. Es war nicht nur die Leidenschaft, die sie geteilt hatten, es war vor allem das Gefühl gewesen, Chiara in ihren Armen zu halten während sie schlief. Dieses Gefühl von tiefer Ruhe, fast Frieden, was auch sie schließlich in einen traumlosen Schlaf hatte fallen lassen.

Ava griff zu ihrem Telefon. Sie musste Chiaras Stimme hören.

'Oh Gott, Ava, du benimmst dich wie eine verknallte 14-Jährige.'

Sie legte das Telefon zurück auf den Tisch als es klopfte.

"Ja?"

Deniz steckte den Kopf zur Tür herein.

"Ich hab noch Licht gesehen. Was machst du so spät noch hier?"

"Ich hab mir die Trainingsaufzeichnungen nochmal angesehen. Aber ich wollte jetzt Schluss machen."

"Wie war das Training heute?"

"Gut, es war gut. Leyla kommt immer besser in die Sprünge rein und Patricia hat die Kombination heute mehrfach gut gestanden. Ich bin zufrieden."

"Und Chiara?"

"Chiaras Session hast du ja selbst gesehen." Ava spielte nervös mit einem Stift, den sie gegriffen hatte. Ihr Herz schlug schneller und sie konnte Deniz nicht ins Gesicht sehen aus Angst sich zu verraten.

"Ja, und was ich gesehen hab, sah gut aus. Freut mich, dass ihr eure Probleme habt lösen können."

Er wandte sich zum Gehen und Ava blickte nun doch auf.

"Deniz?" Er drehte sich zurück. "Kann ich dich was fragen?"

Deniz lächelte. "Klar."

"Warum hast du mit Chiara nochmal allein gesprochen?"

Er schaute Ava verdutzt an.

"Du hattest ein Problem mit ihr und ich wollte ihr nur klarmachen, dass sie dich genauso zu respektieren hat wie mich. Es geht einfach nicht, dass sie während der Trainingssessions am Telefonieren ist. Das ist schlicht unprofessionell."

Ava schaute zu Boden und schwieg. Nach einer gefühlten Ewigkeit fragte Deniz etwas verwundert:

"Siehst du das anders?"

Ava blickte auf. "Nein, grundsätzlich sehe ich das genauso. Ich glaube nur einfach, dass Chiara vielleicht ihre Gründe hatte."

Deniz sah sie forschend an. "Und was für Gründe sollen das gewesen sein?"

Sie biss sich auf die Lippe. Sie schwankte zwischen dem Wunsch Deniz reinen Wein einzuschenken und dem Wissen, dass sie damit Chiaras Vertrauen missbrauchen würde. Ava schüttelte den Kopf.

"Keine Ahnung. Ich hab einfach nicht das Gefühl als ob Chiara jemand ist, die grundlos ihr eigenes Training sabotieren würde."

"Da gebe ich dir durchaus recht, allerdings hat Chiara in Situationen, in den sie sich nicht wohl fühlt, sehr wohl schon Dinge getan, die unprofessionell und gegen eindeutige Absprachen waren. Und in der Umkleide hatte ich das Gefühl, dass die Stimmung zwischen euch ziemlich aufgeheizt war. Da kann sie dann schon mal zu Mitteln greifen, die nicht nur ihr sondern auch dir schaden. Ich bin dein Chef, Ava, und es ist auch meine Pflicht, dich zu schützen. Deshalb hab ich mit ihr gesprochen."

Ava richtete sich auf und sah ihn an.

"Deniz, ich mag dich und ich bin dir auch dankbar, dass du mir das Einleben hier so problemlos gestaltet hast. Aber ich brauche deinen Schutz nicht. Nicht bei Chiara und bei keiner der anderen Läuferinnen. Was ich brauche, ist dein Glaube an mich, dass ich solche Situationen selbst lösen kann. Nur so kann ich das Vertrauen von Chiara und den anderen gewinnen."

Deniz sah sie erstaunt an.

"Ich soll mich also in Zukunft raushalten? Ava, das werde ich nicht tun, du kennst Chiara einfach noch nicht gut genug, sie wird immer wieder Probleme machen..."

Ava stand auf. Sie waren nun auf Augenhöhe.

"Doch, ich glaube, ich kenne sie inzwischen ganz gut. Und eins weiß ich: Chiara Nadolny ist keine Problemläuferin." Avas Stimme war etwas lauter geworden und in Deniz Gesicht spiegelte sich die blanke Verwunderung. Ein Moment der Ruhe kehrte zwischen ihnen ein.

Ava atmete tief durch. Sie hatte nicht so heftig reagieren wollen, aber in ihren Gedanken sah sie Chiara vor sich, wie sie nach der Ohrfeige gegenüber Maximilian von Altenburg, an der Wand gelehnt hatte. Selten hatte sie sich so hilflos gefühlt wie in diesem Augenblick.

"Ava?", fragte Deniz, "Was ist hier los?"

Sie riss sich zusammen. Wenn sie nicht vorsichtig war, würde sie sich vor Deniz verraten.

"Nichts. Es ist alles okay. Ich hab nur eingesehen, dass ich wegen der Telefonsache etwas überreagiert habe. Das ist alles. Und für die Zukunft möchte ich dich einfach bitten, mich diese Dinge selbst klären zu lassen. Ich verspreche, wenn ich deine Hilfe brauche, frag ich dich danach."

Deniz sah sie forschend an. Er spürte, dass hier etwas nicht stimmte, aber Ava hatte sich abgewandt und packte ihre Sachen zusammen. Er zuckte mit den Schultern.

"Gut, wie du meinst."

Gemeinsam verließen sie das Büro. Als sie das Licht löschten, ließ Ava noch einmal ihren Blick über das spärlich beleuchtete Eis gleiten. In Gedanken sah sie Chiara über die Eisfläche gleiten. Sie vermisste sie.

The End.
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Re: Nikes Kopfkino

Beitrag von nike_75 »

Lost Scene zu Folge 4233, weil ich es so fürchterlich fand, dass Yannick Chiara quasi das Recht abspricht, wütend auf Isabelle zu sein.

Frustration

Ava hörte das zornige Kratzen der Kufen über das Eis bevor sie sah, wer dort lief. Einen Moment lang blieb sie an der Bande stehen und beobachtete Chiaras Bewegungen. Nichts war mehr zu sehen von der Anmut und der Leichtigkeit, die die junge Eiskunstläuferin sonst aufs Eis zauberte. Stattdessen wirkten ihre Bewegungen hektisch und voll unterdrückter Wut. Als sie sah, dass Chiara Anlauf zu einem Sprung nahm, schritt sie mit einem lauten und energischen "Stop!" ein. Überrascht brach Chiara den Anlauf ab, kam aber nicht zur Bande, wo Ava stand.

"Chiara, runter vom Eis." Avas Stimme war ruhig aber bestimmt. Chiara blieb an der gegenüber-liegenden Bande stehen, atmete tief durch und schüttelte den Kopf. Sie brauchte das jetzt, das Adrenalin, das sichere Gefühl des Eises unter ihren Füßen. Ava sah sie über die Eisfläche hinweg an und konnte das heftige Heben und Senken von Chiaras Brustkorb sehen. Sie stand komplett unter Strom. Ihre Stimme wurde leise und warnend. "Chiara, ich hab gesagt runter vom Eis. Sofort!" Widerstrebend löste sich die junge Läuferin von der Band und fuhr auf Ava zu. Trotzig schüttelte sie den Kopf als sie ankam.

"Warum kannst du mich nicht einfach laufen lassen?"

Sie verließ die Eisfläche und wollte an Ava vorbei, die sie am Arm festhielt und ihr in die Augen blickte.

"Weil ich keine Lust darauf habe, dass du dich verletzt, weil du nicht bei der Sache bist."

Der Trotz in Chiaras Gesicht verschwand und sie sackte ein bisschen in sich zusammen. Sie entzog ihren Arm aus Avas Griff und blickte zu Boden.

"Willst du drüber reden?" fragte Ava mit weicher Stimme.

Chiara schüttelte den Kopf. Sie wollte nicht reden. Sie wollte nur weg, allein sein.

Ava musterte sie einen Moment bevor sie sagte.

"Okay, geh dich umziehen, legere Sportkleidung. Wir treffen uns in 5 Minuten vor dem Zentrum."

"Aber ich habe heute keine Einheit mehr."

"Jetzt schon."

"Okay." Chiara zog ihre Kufenschoner über die Schlittschuh und stapfte Richtung Umkleide.

Ava blickte ihr nach und zog ihr Handy aus der Tasche.

"Deniz? Ich muss die letzte Einheit heute mit Patricia leider auf morgen verschieben. Mir ist was dazwischen gekommen."

"Okay. Ich sag ihr Bescheid. Irgendwas, bei dem ich helfen kann?"

"Nein, ich krieg das schon hin. Mach dir keine Sorgen."

"Gut. Ich vertrau dir. Wir sehen uns morgen."

"Bis morgen."

Ava legte auf und steckte das Handy in ihre Hosentasche. Sie holte aus ihrem Büro noch zwei Yogamatten und eine Decke; dann verließ sie die Eishalle und das Zentrum. Als sie nach draußen kam, wartete Chiara mit verschränkten Armen bereits auf sie. Sie warf ihr eine der Yogamatten zu, die Chiara mit einem Stirnrunzeln instinktiv auffing und ein amüsiertes Lächeln überzog Avas Gesicht. 'Grumpy Chiara', dachte sie, 'süß'.


Nach 20 Minuten Fußmarsch kamen sie im Park an und Ava hielt an einer Stelle an, wo die Nachmittagssonne durch eine Baumgruppe schien und sie ungestört waren. Sie breitete ihre Yogamatte aus und bedeutete Chiara das gleiche zu tun. Immer noch leicht genervt stand diese neben ihrer Matte und breitete ihre Arme aus.

"Und was machen wir jetzt hier?"

Ava ließ sich auf ihrer Matte nieder und sagte ruhig. "Setz dich." Einen Moment lang war der Trotz in Chiaras Gesicht zurück, bevor sie sich ebenfalls hinsetzte. "Und nun?"

"Jetzt möchte ich, dass du deine Augen schließt und 10 Mal langsam ein und aus atmest." Avas Stimme hatte einen weichen und beruhigenden Ton angenommen und Chiara fühlte, wie sie unwillkürlich das tat, was Ava von ihr verlangte. "Stell dir vor, du bist zurück auf dem Eis. Und du fühlst genau das, was du dort gefühlt hast. Lass dieses Gefühl zu, dränge es nicht zurück, lass es einfach fließen."

Chiara spürte, wie die unterdrückte Wut wieder in ihr aufbrodelte, ihr Atem wurde unregelmäßig, doch sie hörte Avas Stimme und hielt sich daran fest. "Ein und aus atmen, Chiara, ganz langsam. Halte das Gefühl nicht zurück, es ist ein Teil von dir. Und wenn du bereit bist, dann lass es los."

Mehrere Minuten vergingen in denen Ava den Kampf in Chiaras Gesichtszügen sehen konnte. Wut und Hilflosigkeit wechselten sich mehrfach ab bevor eine tiefe Traurigkeit sich darin abzeichnete und Chiara Tränen über die Wangen rollten.

Ava stand auf, nahm die Decke, die sie mitgebracht hatte und setzte sich hinter Chiara ins Gras, um sie in die Arme zu nehmen.

"Shhhhh", flüsterte sie, "Es ist alles gut, lass es raus."

Chiaras Weinen wurde heftiger und mit tränenerstickter Stimme sagte sie "Ich vermisse sie so sehr."

Avas Arme schlossen sich enger um die zierliche Brünette und sie spürte, wie sich Chiara an sie schmiegte. Nach ein paar Minuten fing Chiara an zu reden und erzählte Ava alles, was in den letzten Tagen geschehen war.


Ein paar Stunden später betrat Ava die WG und sah Yannick auf der Wendeltreppe sitzen, einen Brief in der Hand. Er sah fertig aus. Ava zögerte einen Moment und trat dann auf ihn zu.

"Hey", sagte sie leise.

Yannick blickte auf, sagte aber nichts.

Ava blickte ihm einen Moment forschend ins Gesicht. Sie war sich nicht sicher, ob das jetzt der richtige Moment war, aber sie konnte noch immer Chiara in ihren Armen spüren, wie sie geweint hatte.

"Hör zu – ich weiß, dir geht es nicht gut und in die Sache zwischen dir und deiner Ex will ich mich nicht einmischen. Aber du bist nicht der einzige, der emotional betroffen ist von der ganzen Sache. Und wenn Chiara der Meinung ist, ihrer Enttäuschung und ihrem Ärger gegenüber den Personen, die sie verletzt haben, Ausdruck zu verleihen, dann hat sie dazu das gleiche Recht wie du."

"Chiara hat Isabelle in aller Öffentlichkeit beschimpft. Das konnte ich nicht zulassen. Dazu hat sie nicht das Recht."

Ava zog eine Augenbraue hoch.

"Oh wirklich? Und aus welchem Grund sollte sie nicht das Recht dazu haben? Weil es sie nichts angeht? Yannick, sie hat ihre beste Freundin verloren – und so wie ich das bisher mitbekommen habe, hat sie davon nicht allzu viele. Sie hat jedes Recht der Welt, wütend zu sein und das auch zu zeigen."

Ava wandte sich zum Gehen als Yannick spöttisch antwortete:

"Na, dann hat sie ja jetzt dich als edle Ritterin."

Sie drehte sich noch einmal um und sah ihrem Mitbewohner ins Gesicht.

"Weißt du was, Yannick? Selbstgerechtigkeit steht dir nicht." Es herrschte Schweigen zwischen ihnen bevor Ava in Richtung ihres Zimmers ging. "Gute Nacht."


The End.
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Re: Nikes Kopfkino

Beitrag von nike_75 »

Die ganze Problematik rund um Avas Liebeskummer hat AWZ mal so ziemlich in den Sand gesetzt. Hier der Versuch, das zu reparieren. Folge 4257 lassen wir so, wie sie ist. Auch wenn die Dating-App von Hanna eine dämliche Idee war, war es insgesamt okay mit Ava, dem Putzteufel und dem leisen Hauch von „Ich rede über meine Gefühle für Chiara“. Ich starte also mit Folge 4258 und dem Treffen von Deniz und Ava im Trainerbüro. Ab da konzentriere ich mich jedoch auf Ava und ihre Gefühlswelt – wer will, kann die tatsächlichen Szenen mit reinlesen, ich werde sie größtenteils ignorieren und mich maximal an einigen wenigen Sätzen bedienen.

Diesmal also weniger „lost scenes“ als „fixed scenes“.

Incomplete

Part 1 (4258 – Avas POV)

Ava folgte Deniz nach unten zur Eishalle. Als sie ankamen, stand Patricia bereits an der Bande und entfernte die Kufenschoner von ihren Schlittschuhen. Deniz ging auf sie zu und Ava verschwand kurz im Trainerbüro, um etwas zum Schreiben zu holen – wie immer, wenn sie mit Deniz eine Besprechung hatte.

Nachdem Deniz ihr erklärt hatte, worum es ging, setzte sie sich auf die Tribünenstufen und beobachtete ihren Chef und Patricia. Sie machte sich ein paar Aufzeichnungen zu der Sprungabfolge, die Deniz in seinen Anweisungen an Patricia gab. Nach ein paar Minuten jedoch ließ ihre Konzentration nach und sie blickte sich verstohlen um. Für einen kurzen Moment hatte sie im Augenwinkel Chiara rechts oben auf der Tribüne gesehen, dort wo sie nach dem Teamtag noch zusammen gesessen und gelacht hatten. Ava schüttelte den Kopf, um die Erscheinung zu vertreiben.

'Jetzt reiß dich zusammen, Ava, sie ist nicht hier.'

Bei dem Gedanken durchfuhr sie derselbe Schmerz, der sie die letzten Tage schon immer wieder heimgesucht hatte. Sie schüttelte den Kopf, um das Gefühl zu vertreiben und fokussierte sich wieder auf die Eisfläche und die Anweisungen von Deniz. Das passte soweit alles, die Sprünge waren sauber und auch die Übergänge klappten besser als in den letzten Wochen. Es schien als ob Deniz' präzise Ansagen Patricia hälfen, einige der Unsicherheiten zu beseitigen. Wenn es doch nur bei allen Läuferinnen so einfach wäre.

Vor Avas geistigem Auge liefen die letzten Trainingswochen mit Chiara wie ein Film ab. Das ständige Auf und Ab, die verpatzten Sprünge, die perfekten Pirouetten und immer wieder Chiara, Chiara, Chiara. Ihr Herz fing an schneller zu schlagen und so bekam sie gar nicht mit, dass Deniz die Musik ausgeschaltet hatte. Erst als sich ein Schatten über ihr Blatt Papier legte, blickte sie auf.

"So, und?"

"Eine Sekunde..." Ava schrieb noch etwas auf – ehrlich gesagt hatte sie keine Ahnung, was sie da hinkritzelte, aber sie durfte Deniz auf keinen Fall merken lassen, dass sie nicht wirklich bei der Sache gewesen war.


Eine halbe Stunde später hatten sie die Einheit mit Patricia beendet. Nach der kurzen Pause war es Ava etwas leichter gefallen, sich zu konzentrieren und ihrem Chef und Freund das gewünschte Feedback zu geben.

Sie hatte allerdings nicht damit gerechnet, dass Deniz sie zu einem Krafttraining überreden würde. Und nun lag sie hier auf der Hantelbank und stemmte das blöde Gewicht zum zwanzigsten Mal nach oben. Ihre Arme fingen langsam an zu zittern und sie wusste, dass sie eine Pause brauchte. Mühsam drückte sie die Langhantel in die Höhe bis Deniz sie ihr abnahm und auf die Hantelablage legte. Sie schloss die Augen, atmete tief durch und versuchte Luft zu bekommen. Gleich würde sie sich erheben können.

"Ich würde gerne aufstehen."

Beim Klang der Stimme zuckte Ava zusammen und riss die Augen auf. Deniz sah sie verwundert an.

"Was ist los? Du siehst aus als hättest du ein Gespenst gesehen."

Verlegen lachte Ava auf und schüttelte den Kopf.

"Ach Quatsch, alles okay." Sie richtete sich auf und streckte sich. Ihr taten die Arme weh und sie traute sich nicht, zur Hantelbank zurückzuschauen, aus Angst, sie würde dort Chiara liegen sehen. Sie konnte sich genau an den Moment erinnern. Fast hätte sie sie damals schon geküsst. Hastig nahm sie ihre Trinkflasche, drehte sich zu Deniz um und sagte:

"Ich brauche jetzt wirklich eine Pause, ich bin für ein paar Minuten an der Bar."

Und dann verließ sie mit langen Schritten den Bereich mit den Kraftgeräten. An der Bar angekommen, ließ sie sich erschöpft auf einem der Hochstühle nieder und bestellte sich einen Powershake. Als sie ihre Trinkflasche abstellte, zitterten ihre Hände.

'Himmel Herr Gott, Ava Grothe, jetzt krieg dich wieder ein. Es kann doch nicht sein, dass dich diese Frau so komplett verrückt macht.'

Die Bedienung stellte den Powershake vor ihr ab und Ava bedankte sich mit einem heiseren "Danke." Sie räusperte sich und versuchte die Gedanken an Chiara wegzuschieben. Aber es war sinnlos. Egal, wo sie im Zentrum war, überall verfolgten sie die Erinnerungen. Selbst hier an der Bar hatten sie gemeinsam gesessen. Fühlte sich so Paranoia an?

Ava wollte nur sich nur noch duschen, umziehen und nach Hause. Im Bett verkriechen und schlafen.

Genau, das hatte ja in den letzten Tagen schon so hervorragend geklappt. Statt zu schlafen, hatte sie sich stundenlang in den Bildern auf Chiaras FriendSnap-Account verloren. Kein Ersatz dafür, sie in ihren Armen zu halten, mit ihren Händen über ihre weiche Haut zu streichen und sie zu küssen, zu küssen, zu küssen. Immer wieder sie zu küssen, weil sie nicht genug von ihr bekommen konnte.

"Na, wovon träumst du denn?" ertönte plötzlich Deniz Stimme hinter ihr.

Ava riss die Augen auf und stammelte "Von niemandem, von niemandem. Ich, ähm... ich bin nur müde."

Deniz blickte sie mitfühlend an, er hatte eine Idee, wo Ava mit ihren Gedanken gewesen war, aber sie schien nicht drüber reden zu wollen.

"Ja, ich denke, es reicht für heute. Lass uns Schluss machen, ich bin auch noch mit Imani verabredet."

Ava rührte sich nicht. Sie schien mit ihrem Kopf noch immer ganz woanders zu sein. Er berührte sie kurz am Arm.

"Ava? Bist du sicher, dass du okay bist?"

Sie stieg vom Hochsitz herunter und nickte. "Ja, ja, ich bin in Ordnung. Dein Training hat mich nur völlig fertig gemacht. Ich geh duschen und dann nach Hause."

"Okay, dann wünsche ich dir einen schönen Abend."

Ava klopfte ihm auf die Schulter und machte sich auf in Richtung Umkleide. Als sie sie betrat, schloss sie die Tür und lehnte sich von innen dagegen. Sie zögerte in Richtung der Dusche zu gehen. Auch dort warteten nur wieder Erinnerungen auf sie. Aber was war die Alternative? Die Dusche in der WG? Bitter lachte Ava auf. Wohl kaum.

Chiara war einfach überall und sie konnte ihr nicht entkommen.

Tbc...
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Re: Nikes Kopfkino

Beitrag von nike_75 »

Hanna und Ava zusammen in einer anderen Version der Folge 4259. Und sorry, kein Tanzmarathon, kein Wreckingball-Move, nur reden...

Ich habe absichtlich die Reaktion auf Chiaras Verletzung weggelassen, weil das für mich hier nicht mehr reingepasst hat.

Hanna zu schreiben, fiel mir relativ schwer und ich bin nicht sicher, ob das Kapitel nicht ein bisschen zu kitschig geraten ist. Über Feedback freue ich mich wie immer.

Part 2 (4259 – Avas POV)

Mit gesenktem Kopf verließ Ava das Zentrum. Ihre Arme und Beine schmerzten von dem intensiven Workout mit Deniz. Sie hatte gehofft, dass die kalte Dusche, die sie genommen hatte, ihren Kopf frei machen würde, aber viel hatte es nicht gebracht. Chiara wohnte immer noch dort, als Dauermieter. Zumindest hatte sie bisher noch nicht wieder ihr Handy herausgeholt, um nachzusehen, ob es ein neues Posting auf ihrem FriendSnap-Account gab. Das würde sie heute abend im Bett machen.

'Liebgewonnene Gewohnheiten sollte man nicht aufgeben', dachte Ava mit einem Hauch von Selbstironie. Und wer weiß, vielleicht sorgte das Training mit Deniz dafür, dass sie endlich einmal so müde war, dass sie ein paar Stunden schlafen konnte. Auch wenn sich das Bett viel zu groß anfühlte und sie nicht nur einmal in den vergangen Wochen ihren linken Arm ausgestreckt und nur eine kalte Betthälfte gefunden hatte.

Als Ava an der WG ankam und die Tür aufschloss, sah sie Hanna auf dem Sofa sitzen, ihr Handy in der Hand, ein Glas Wein auf dem Tisch und aus dem Ofen drang der Duft von Pizzateig.

Seufzend ließ sich Ava neben ihrer Mitbewohnerin auf das Sofa fallen. Hanna blickte auf und sagte:

"Wow, du siehst fertig aus. Was hat Deniz mit dir gemacht?"

"Das Workout aus der Hölle, sag ich dir. Ich bin komplett platt."

"Na nur gut, dass ich ein ganzes Pizzablech gemacht habe. Du kannst also mitessen."

Ava schloss die Augen und murmelte nur "Das ist lieb, danke."

Ein paar Minuten lang herrschte Stille zwischen ihnen. Hanna wischte weiter auf ihrem Handy herum und Ava war fast dabei wegzudösen als Hanna plötzlich ausrief:

"Das glaub ich ja nicht. Kilian Reichenbach hat sich auf einer Dating-App angemeldet."

Ava öffnete die Augen und fragte verwundert: "Der schnöselige Anwalt?"

"Ja" war die knappe Antwort.

"Und das ist jetzt interessant für dich, weil...???"

Hanna schüttelte den Kopf und legte ihr Handy auf den Tisch.

"Ach nichts."

Ava grinste und antwortete lachend "Hm, ich seh schon, das gleiche nichts wie meine Person, die wochenlang nicht existiert hat."

"Quatsch" antwortete ihre Mitbewohnerin heftig "das kann man überhaupt nicht mit dir und Chiara vergleichen. Das ist maximal eine blöde Schwärmerei meinerseits. Der interessiert sich sowieso nicht für mich."

"Aber du dich für ihn schon, oder?"

Hanna zuckte mit den Schultern. "Ein bisschen vielleicht?" Sie stand auf und ging zum Ofen, um nach der Pizza zu sehen. "Aber ich muss ihn mir aus dem Kopf schlagen."

Ava seufzte und stand ebenfalls auf, um Hanna beim Tisch decken zu helfen. Sie goss sich ein Glas Wein ein und setzte sich.

"Wenn du eine todsichere Methode gefunden hast, sag mir bitte Bescheid."

Hanna verteilte die Pizza auf zwei Teller und setzte sich ebenfalls.

"Hat das Training nicht geholfen, Chiara aus dem Kopf zu bekommen?"

Müde schüttelte Ava den Kopf. "Nein, keine Chance. Egal, wo ich im Zentrum bin, immer werde ich an sie erinnert. Und hier ist es auch nicht besser."

Hanna sah sie mitfühlend an. "Das tut mir leid."

Die Blondine zuckte mit den Schultern. "Ist ja nicht deine Schuld. Und hey, deine Suche nach der Podcast-Location war super, da hab ich tatsächlich mal ein paar Stunden nicht an sie gedacht."

Ava biss in das Pizzastück und sie aßen schweigend. Als sie fertig waren, gingen sie zurück zum Sofa mit ihren Weingläsern und setzen sich. Nachdenklich fuhr Ava mit dem Finger über den Glasrand und sagte schließlich leise:

"Weißt du, manchmal triffst du einen Menschen und... BÄHM! Und danach gibt es niemand anderen mehr."

Hanna fragte ebenso leise: "Ist dir das vorher schon mal passiert?"

Ava schloss die Augen und schüttelte den Kopf. "Nein. In dieser Heftigkeit noch nicht. Ich weiß nicht, was es ist mit uns beiden. Ich seh sie an und...", sie suchte nach Worten, die nicht kommen wollten.

Hanna schwieg ebenfalls für eine Weile bevor sie fragte: "Kennst du Platons Fabel der Kugelmenschen?"

Verwirrt sah Ava Hanna an und schüttelte den Kopf. Hanna wich Avas Blick aus "Ach, vergiss es..."

"Nein, das will ich jetzt schon gern hören."

"Okay."

Hanna stellte ihr Glas Wein auf den Tisch und wandte sich Ava zu.

"In der Antike erzählte Platon von den Kugelmenschen. Menschen mit vier Armen, vier Beinen und zwei Gesichtern. Eine Einheit. Doch sie zogen den Zorn der Götter auf sich und als Strafe teilte Zeus die Kugelmenschen und verstreute sie über die ganze Erde. Und seit dieser Zeit sind diese Menschen auf der Suche nach ihrer anderen Hälfte, die sie wieder vollständig macht."

Ein leichtes Lächeln zog über Avas Gesicht bevor sie sich räusperte und sagte: "Du glaubst aber jetzt nicht, dass Chiara und ich..."

Hanna zuckte mit den Schultern. "Wer weiß..."

Ava lachte auf. "Ach komm Hanna, das ist Quatsch. Es ist nicht mehr als ein Märchen, das ist Unsinn..."

"Wie du meinst." Hanna lehnte sich ins die Kissen des Sofas zurück und trank ihren Wein.

Ava sah sie ungläubig an. Doch Hanna lächelte nur leicht. 'Okay', dachte Ava, 'das reicht für heute.' Sie erhob sich und ging zur Küchenzeile, um ihr Glas weg zubringen. Dann drehte sie sich zu Hanna zurück und sagte "Sei mir nicht böse, aber ich geh schlafen."

"Alles gut, Ava, ich wünsche dir eine gute Nacht."

Ava verschwand erst im Bad, um Zähne zu putzen und dann in ihrem Zimmer. Es war dunkel, doch sie schaltete das Licht nicht an. Sie zog sich um, griff sich ihr Handy, ging zum Fenster und setzte sich auf das Fensterbrett. Sie sah nach draußen, wo eine Straßenlaterne warmes Licht verbreitete und öffnete Chiaras FriendSnap-Account. Das Bild vom Vormittag blickte ihr entgegen, Chiara hatte nichts neues gepostet. Mit den Fingern zoomte Ava auf die Augen von Chiara, diese wunderschönen braun-grünen Augen. Wie sehr wünschte sie sich, sie könnte Chiaras Gesicht berühren, ihr über die Augenbrauen und Wange streicheln und sie dann küssen. Ava lehnte ihren Kopf gegen die kühle Fensterscheibe und hörte Hannas Stimme leise sagen:

"Und seit dieser Zeit sind diese Menschen auf der Suche nach ihrer anderen Hälfte..."

Sie schloss die Augen und ein trauriges Lächeln überzog ihr Gesicht.

Chiara fehlte ihr. Jede Sekunde, die sie nicht da war, fehlte sie ihr.


The End.
nike_75
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Re: Nikes Kopfkino

Beitrag von nike_75 »

LS zu Folge 4269, weil ich dringend ein Gespräch zwischen Ava und Chiara brauchte nachdem Leyla da im Zentrum so ausgetickt ist.

Coming Over

"Und Leyla hat das nicht so gut aufgenommen?" fragte Hanna.

"Scheinbar nicht" antwortete Ava stirnrunzelnd.

Sie legte das Geschirrtuch zu Seite und griff erneut zu ihrem Handy

Chiara: 'Hab mit Leyla geredet. Bleib heute besser in der Villa.'

Ava zögerte. Sie war sich unsicher, ob sie Chiara per Textnachricht antworten sollte. Eigentlich wollte sie ihre Stimme hören. Noch eigentlicher hatte sie sich darauf gefreut, sie heute Abend noch zu sehen.

Hanna beobachtete ihre Freundin und schlug ihr schließlich mit dem Geschirrtuch auf den Arm.

"Jetzt geh sie schon anrufen."

Ava lächelte schief. War sie so offensichtlich? Anscheinend ja, wenn sie das amüsierte Funkeln in Hannas Augen sah. "Hau ab."

Die Blondine drückte kurz Hannas Arm und machte sich auf den Weg in ihr Zimmer. Dort angekommen, setzte sie sich auf ihr Bett und atmete tief durch. Dann nahm sie ihr Telefon und drückte auf Chiaras Kontakt um sie anzurufen. Erst nach dem 5. Klingeln nahm Chiara ab.

"Hi."

Ava hielt einen Moment den Atem an. Chiara hatte sich noch nie so klein angehört.

"Hey"

Eine Pause entstand bevor Ava ansetzte "Chiara, das Gespräch mit Leyla..."

Ihre Freundin unterbrach sie hastig "Es tut mir leid, Ava. Ich dachte wirklich, wenn ich es ihr erkläre, dann hört sie mir zu, aber..." Ava konnte die Hilflosigkeit in Chiaras Stimme hören und fragte leise: "Ist es okay, wenn ich zu dir komme?"

"Brauchst du nicht. Es ist schon spät und ich bin müde..." Trotz Chiaras Worten war die Sehnsucht in ihrem Tonfall nicht zu überhören und Ava musste lächeln.

"Gib mir eine halbe Stunde. Ich zieh mich kurz um und dann komme ich. Wäre vielleicht ganz gut, wenn du mich reinlassen könntest?"

"Okay" sagte Chiara und Ava meinte ein erleichtertes Ausatmen hören zu können. "Schreib mir 'ne kurze Nachricht, wenn du da bist."



Zwanzig Minuten später erreichte Ava die Steinkamp-Villa. Sie hatte lediglich eine Jeans und eins ihrer Lieblings-T-Shirts angezogen und war dann losgelaufen. Nicht nur der Wunsch Chiara zu sehen, zu berühren, hatte sie schneller laufen lassen. Sie hatte auch das untrügerische Gefühl, dass ihre Freundin sie heute Nacht brauchen würde. Ihre Freundin. Ein schüchternes aber glückliches Lächeln überzog Avas Gesicht. Es war noch ungewohnt und neu, Chiara so zu bezeichnen – nicht nur vor den anderen sondern auch in ihrem eigenen Kopf. In den Wochen. In denen sie heimlich zusammen gewesen waren, hatte sie es nicht gewagt, auch nur in die Richtung zu denken. Zu sehr hatte die Angst sie im Griff gehabt: erst die Angst aufzufliegen und nachdem Deniz und Frau Steinkamp klargemacht hatten, dass sie von ihrer Beziehung wussten, war es die Angst gewesen, als unprofessionell abgestempelt zu werden.

Ava blieb vor der Villa stehen und zog ihr Handy aus der Hosentasche. Doch bevor sie die Nachricht schreiben konnte, öffnete sich die Eingangstür und Chiara trat heraus in die Dämmerung. Sie trug einen Jogginanzug, den Ava noch nie an ihr gesehen hatte. Sie wirkte um Jahre jünger und Ava wollte sie am liebsten einfach in ihre Arme nehmen.

"Hey" Chiaras Stimme war rau. "Ich hab dich oben vom Fenster aus gesehen."

Ava streckte die Hand nach ihr aus und Chiara ergriff sie. Fragend schaute die Blondine ihrer Freundin ins Gesicht. "Willst du hochgehen?" Chiara schüttelte den Kopf.

"Meinst du, wir können ein bisschen spazieren gehen? Ich glaub, ich brauch frische Luft."

Ava zuckte mit den Schultern. "Klar. Gehen wir, aber ich sag dir schon mal, ich hab Angst vor Fledermäusen." Wie geplant entlockte das Chiara ein spöttisches Lächeln.

"Fledermäuse, hm? Wo sollen denn hier Fledermäuse herkommen?"

"Was weiß ich denn, was in diesen alten Gemäuern so alles lebt? Fledermäuse, Gespenster, Poltergeister..."

Lachend hielt Chiara ihr den Mund zu.

"Schon gut, schon gut, du kleiner Angsthase. Wir gehen einfach nur in den Park und setzen uns dort ganz brav auf eine Bank. Keine Fledermäuse, keine Gespenster, keine Poltergeister."

Als die Brünette ihre Hand von Avas Mund nahm, grinste die sie frech an.

"Klein? Da redet die Richtige."

Kopfschüttelnd und lachend zugleich zog Chiara Ava hinunter in den Park bis sie die Bank erreichten und sich setzten.

Ava legte ihren Arm auf die Banklehne und als Chiara sich an sie kuschelte, fand ihr Arm den Weg um ihre Schultern. Zufrieden genossen sie die Nähe der anderen bis Chiara leise sagte:

"Was für ein scheiß Abschluss eines ansonsten wunderbaren Tages."

Als Chiara sah wie Ava die Augenbrauen hochzog, fing sie an zu stammeln:

"N...ein, nein, nein, ich meine nicht dich."

Ava lachte, zog Chiara noch ein Stück näher und küsste sie auf ihr Haar.

"Ich weiß, alles gut, alles gut."

Chiara drehte ihren Kopf in Avas Körper und atmete tief ein.

"Hmmmmm, du riechst gut."

Für ein paar Minuten saßen sie miteinander schweigend auf der Bank bis Ava leise fragte:

"Was hat Leyla gesagt?"

Seufzend richtete Chiara sich auf und rückte ein wenig von Ava ab, um sie ansehen zu können.

"Das ganze lief von Anfang an schief. Sie wusste schon von ihrer Cousine, dass wir 'was miteinander haben'." Mit den Händen zeichnete sie die Anführungszeichen in die Luft. Verständnislos blickte Ava sie an. "Leylas Cousine? Aber wie...???"

Chiara blickte zu Boden. "Sie hat uns in der Eishalle gesehen, anscheinend war sie dort kurz bevor Patricia kam." Ava brauchte ein paar Sekunden, um die Geschehnisse in der Eishalle zu rekonstruieren.

"Du meinst, sie hat uns beim Küssen gesehen."

"Yep."

"Und dann hat sie es Leyla erzählt."

"Yep."

"Scheiße."

"Yep.
Und sie war stinksauer, weil 'sie es als Letzte erfahren hat'."

"Aber ich meine, du hast ihr doch sicher erklärt, dass wir erst seit ein paar Tagen so richtig zusammen sind."

"Natürlich hab ich das, aber ich hatte das Gefühl, dass sie mir gar nicht richtig zuhört. Sie hat die ganze Zeit nur davon geredet, dass du mich bevorzugen wirst und dass unsere Beziehung ihre Karriere gefährdet."

Ava stand von der Bank auf und blickte Chiara ins Gesicht.

"Das werd' ich nicht, das weißt du, oder?"

Chiara sah sie an und zog ihre Freundin zurück auf die Bank.

"Selbstverständlich weiß ich das und ich hab auch versucht ihr das klarzumachen. Aber sie glaubt mir nicht. Sie denkt halt, dass mein Ehrgeiz dafür sorgen wird, dass ich mir durch dich einen Vorteil ihr gegenüber verschaffe."

Beim letzten Satz wurde Chiaras Stimme leicht brüchig und sie sah zur Seite damit Ava nicht sah, dass sich ihre Augen mit Tränen gefüllt hatten. Immer noch zur Seite gewandt flüsterte sie:

"Ich weiß, dass Leyla und ich keine engen Freundinnen sind. Wir sind halt Konkurrenten im gleichen Kader, aber ich hab wirklich gehofft, dass sie sich ein bisschen für mich, für uns freuen kann."

Ava legte ihre Hand an Chiaras Wange und drehte sie wieder zu sich herum. Dann umschloss sie mit beiden Händen das Gesicht ihrer Freundin und küsste sie sanft. Für einige Sekunden waren sie ineinander versunken, dann löste sich Ava wieder von ihr, fuhr aber fort, ihr mit einer Hand über die Wange zu streicheln.

"Es tut mir leid, Chiara, wirklich. Ich hätte dir gewünscht, dass Leyla besser reagiert. Ich rede mit ihr, okay? Ich werd' ihr klarmachen, dass sie nichts zu befürchten hat. Und irgendwann wird sie sich für dich freuen, da bin ich sicher."

Chiara nickte und schmiegte sich in Avas Arme. So saßen sie noch ein paar Minuten auf der Bank bis es Ava fröstelte. Vielleicht war das T-Shirt doch ein bisschen zu dünn. Chiara lachte ein wenig, stand dann auf und zog Ava nach oben bis sie dicht vor ihr stand.

"Komm, wir gehen rein. Ich glaub, ich hab eine Idee, wie wir dich aufgewärmt bekommen."

Langsam fuhr sie mit ihrem Daumen über Avas Unterlippe und sah wie die Augen ihrer Freundin dunkel wurden und sie den Atem anhielt. Oh ja, frieren würden sie heute Nacht sicher nicht.



The End.
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